Fortbildung – für mehr Wissen

Schnittdirectrice zu sein, war für mich der nächste Schritt, mehr über Schnittkonstruktion zu lernen, einen größeren Einfluss auf die Schnittmuster nehmen zu können, als wenn man die Bekleidungsstücke nur zusammennäht.

Ich hatte selbst die Herausforderung bei meiner Körperform und zwar in der Form, dass ich recht klein bin und meine damalige Konfektionsgröße zwischen der Größe 36 und 38 lag. Ich konnte mir eigentlich nie etwas aus einer Schnittmuster-Zeitschrift wie der Burda nähen, weil mir die Konfektions-Größen nie gepasst haben.

Ich war gezwungen immer viel zu ändern, aber ich wusste nicht wie und wo. Und tatsächlich hat es mir auch keinen Spaß gemacht, mir etwas zu nähen, weil die Schnitte auf eine normale Grundform mit ausgewogenen Körperproportionen ausgerichtet war, aber eben nicht auf meine.

Mein Traum war es, Schnittdirectrice zu werden und auf diese Weise das Wissen und auch die Fähigkeit zu erlangen, Schnitte selbst zu erstellen und ändern zu können. Meine erste Idee war Schneidermeisterin zu werden, obwohl ich von meiner Art her nicht die typische Meisterin bin oder sein wollte, aber ich wusste, dass die Ausbildung an der Meisterschule für Mode genau das beinhaltet, was ich lernen wollte. Da ich leider kein Bafög beantragen konnte, hielt ich Ausschau nach einer weiteren Möglichkeit und fand sie.

Die s.Oliver-Akademie bot im Grunde an der AMD München eine ähnliche Fortbildung an, die sich aus der Directricen-Ausbildung und der Ausbildung zum Produktmanager für Bekleidung zusammensetzte und 2 Jahre dauerte. Diese Gelegenheit nutze ich, um genau das zu lernen, womit ich mich auskennen wollte, Schnittkonstruktion und Schnittmuster anpassen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich diese Fortbildung wirklich sehr geliebt habe, ganz besonders, dass ich mich wirklich in der Tiefe mit der Schnittkonstruktion für Bekleidung beschäftigt haben, also wir haben Grundschnitte für Röcke, Hosen, Blusen, Kleider, Jacken und Mäntel konstruiert und diese weiterbearbeitet, sodass wir sie einmal als Grundschnitt in einer Anprobe optimieren konnten. Natürlich lernten wir auch wie wir aus Grundschnitten viele weitere Modelle, also Bekleidungsvarianten erstellen konnten, indem wir lernten welche schnitttechnischen Veränderungen durchführt werden müssen, um neue Modelle und auch Varianten entstehen zulassen. Wir lernten auch, wie man Anproben macht und so die Bekleidung auf den Körper anpasst, welche Weitenzugaben für die Bequemlichkeit notwendig sind und wie abgesteckte Änderungen der Anprobe auf den bestehenden Schnitt übertragen werden.

Wir lernten wie aus dem Grundschnitt, Papierschnittteile angefertigt werden, damit man diese auch aus Stoff zuschneiden kann. Wie wird ein Futter konstruiert, was muss man beachten etc. Dabei lernt man auch im Grunde all die Teilarbeitstechniken schnitttechnisch am Schnitt zu konstruieren, die man in einer Schneiderlehre gelernt hat zu nähen. Hinzukam, dass wir auch lernten Grundschnitte und Varianten für Herrenbekleidung und Kinderbekleidung zu konstruieren. Hauptsächlich lernten wir die Schnittkonstruktion manuell , also mit Papier, Stift und Lineal, 1x in der Woche lernten wir das Erlernte mit Hilfe einer CAD-Software umzusetzen. Und wir lernten auch wie wir Schnitte in mehreren Größen stufen, das nennt sich in der Fachsprache gradieren, also das vergrößern und verkleinern von Schnittmustern.

Und immer wieder zwischendurch übt man, ein Schnittmuster aus einem Grundschnitt zu entwickeln, indem man eine Modellskizze als Vorlage nimmt und die Form des gezeichneten Kleidungsstückes in ein Schnittmuster übersetzt. So lernst man ein Gefühl Formen und Proportionen zu bekommen. Das ist auch in den meisten Fällen die Hauptarbeit der Schnittdirectrice, Modell-Skizzen des Modedesigners in Schnitte zu übersetzen, damit diese genäht und dann mit dem Designer anprobiert und optimiert werden können.

Hierbei spielen die Berufserfahrung der Schnittdirectrice eine entscheidende Rolle, daneben sollte sie auch ein sehr gutes Gefühl für verschiedene Paßformen haben und ein gutes Auge, um diese zu erkennen und eine in sich ausgewogene Paßform des Bekleidungsstückes zu erreichen.

Die Fortbildung zum Produktmanager beinhaltete alle theoretischen Abläufe einer Produktion und alles, was es da zu beachten gibt. Wir wurden für unseren Einsatz als Bekleidungs- und Reisetechniker vorbereitet, die in enger Zusammenarbeit mit ausländischen Agenturen oder Produktionsstätten die Bekleidung für die Firma s.Oliver hergestellt haben.

Ich hatte das Glück auf meinen Wunsch hin in die Schnittabteilung zu kommen, wo ich das machen durfte, was ich am liebsten tat, und zwar Schnitte zu konstruieren. 

Letztendlich war ich superhappy, weil ich mir sicher war, dass nun auch der Kreativität in diesem Beruf nichts mehr im Wege stand. Ich freute mich nun alles zu beherrschen, um alles konstruieren zu können und freute mich sehr auf die Herausforderungen. Und ich dachte, dass jede Firma so aufgebaut ist wie die Firma, wo ich meine Schneiderlehre machte.

Ich blieb 2 Jahre und kehrte alsbald nach München zurück in meinen Ausbildungsbetrieb, wo ich als Schnittdirectrice 2 Jahre gearbeitet habe, weil die Arbeit in der Abteilung einfach nicht meinen Vorstellungen von Schnittkonstruieren entsprach. Es war überhaupt nicht kreativ, sondern eher langweilig.

Hier kannst du weiterlesen wie ich zu meiner Schneiderlehre kam.

Meine Gesellenjahre hier zum Nachlesen. Und hier kannst du lesen wie alles mit dem Nähen anfing.

 

Bildquelle: Canva & Ayse Westdickenberg